12.08.2010 Atomkraft – eine Debatte der Ewiggestrigen

Samael Falkner / erschienen auf „HAWK“

Atomkraft – eine Debatte der Ewiggestrigen

„Die Menschen, die einen nachhaltigen Lebensstil pflegen, interessieren sich für fairen Handel, für faires Banking und für ökologischen Anbau. Das, wofür diese Menschen (Wähler) stehen, ist die Verlängerung klassischer bürgerlicher Tugenden: Anstand, Rücksicht, Gemeinwohlsinn. Diese neuen Elemente des bürgerlichen Selbsterlebens sollte die CDU, die sich nach wie vor als bürgerliche Partei versteht, in ihre Programmatik einbeziehen. Ja, es gibt CDU-Wähler, die Müsli essen, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und ihr Geld in Wasseraufbereitungsanlagen in der Dritten Welt investieren.“

Kommentiert Alexander Görlach auf „The European“ und trifft damit einen Problemnagel auf den Kopf, der seit einigen Jahren durch die Politik geistert.

Die Verlängerung der Atomkraftwerke ist eine Debatte der Ewiggestrigen, über die große Teile der Wählerschaft nur den Kopf schütteln können. Scheint es doch viel weniger darum zu gehen, die Atomkraftwerke überhaupt irgendwann abzuschalten, als viel mehr jedes Jahr neue Maximallaufzeiten auszuhandeln. Hier geht es schon lange nicht mehr um Effizienz und auch nicht um den Umweltschutz, wir befinden uns in einer Zeit der Marktschreier und Basarhändler. „14″ „nein“ „16″ „nein“ „18″ „nein, 22 Jahre will ich“ „nehmen Sie doch 19!“ „nein.“ – die Diskussion hört da auf, wo der jeweilige Konservative seinen Standpunkt sieht und wenn er da medial abgedrängt wird, naja dann lässt er schon mal über ein Jahr weniger mit sich reden. Praktisch kommt da demnächst zugute:

Der Jahresbericht der zuständigen EU-Kontrollbehörde ESA enthüllt, spätestens ab 2020 wird das Uran aus den erschlossenen Minen nicht mehr ausreichen, um den heutigen Verbrauch von knapp 70 Kilotonnen Uran durch die 435 bestehenden Kraftwerke zu decken. Das meldet die „Berliner Zeitung« in ihrer Montagsausgabe. Bereits seit 1990 übersteige der Uran-Bedarf die weltweite Produktion und muss aus Lagerbeständen und abgerüsteten Atomwaffen aufgefüllt werden.“ (Freie Allgemeine)

Das ist ein wenig wie mit dem Erdöl: Wenn es alle ist, ist die Diskussion zu Ende. Schade nur, dass man das Spiel mit jeder Ressource bis zu diesem Punkt treiben muss, Süßwasserressourcen sind da auch eher weit vorne dabei, unbeachtet von den Medien. Wenn wir die aufgebraucht haben, benötigt es dann allerdings auch keine Diskussion mehr, während man in Sachen Atomkraft noch abwenden könnte.