2009 Ruhm * Anerkennung = Prominenz?

Samael Falkner / Erschienen auf „HAWK“

Ruhm * Anerkennung = Prominenz?

Es wird im Zeitalter der schnelllebigen Social Networks, Blogs und Dschungelcamps immer einfacher, prominent zu werden. Doch wo fängt Prominenz an, ist sie mit „alten Werten“ gleich zu setzen und wie erstrebenswert ist es wirklich, prominent zu sein?

Prominent, ursprünglich bedeutete das Wort „hervorragend“. So hervorragend wie ihr Titel sind die heutigen Prominenten zum Großteil nicht mehr, denn Prominenz misst heute nur noch den Bekanntheitsgrad einer Person. Bekannt kann man durch so ziemlich alles werden und damit wird man für einen guten Prozentsatz der Bevölkerung als wichtig empfunden. Und wie wichtig sind die heute prominent Genannten wirklich? Für das Leben des Einzelnen völlig unbedeutend.

Mit Prominenz geht heutzutage viel Geld einher. Für Interviewtermine, Werbeangebote, Fernsehangelegenheiten. Der Prominente von heute steht überall im Vordergrund. Er zieht Scharen von Fans und Bewunderern hinter sich her, unabhängig davon, was er wirklich geleistet hat, um prominent zu werden.

Und dann gibt es da noch das Phänomen des Fallenlassens. Man bleibt heute nie lange prominent. Die wirklich bekannten Menschen werden hingegen nicht mehr als Prominenz gemessen, man nimmt sie meist im Medienrummel um die „neuen Helden“ gar nicht mehr wahr. Und wo fängt Prominenz an?

Da, wo sie meist auch schon aufhört, im Kopf. Je prominenter man sich fühlt, desto wichtiger gibt man sich und je wichtiger man sich gibt, desto mehr kleine grüne Fliegen – auch Boulevardjournalisten genannt – zieht man an.

Wenn Sie heute einen neuen Rekord im Schaben lebend essen aufstellen, dann stehen Sie morgen eventuell auf allen Titelblättern. Vielleicht auch übermorgen. Dann folgt die Phase der Interviews, Fernsehauftritte, Sie essen noch mehr Schaben und bereiten vielleicht ein Promidinner für andere Schabenesser. Dann kommt der Tierschutz, als hätte man ihn gerufen und weist Sie darauf hin, dass Fauchschaben extrem rar geworden sind, seit Sie begonnen haben, sie zu verzehren. Über Nacht sinkt
Ihr Ansehen.

Sie sind nun wieder unprominent, können aber von dem verdienten Geld noch drei Monate gut leben. Und dann – und das kann ich Ihnen vorhersagen, ohne Sie zu kennen – suchen Sie nach neuen Wegen, noch einmal einen kurzen Moment Prominenz zu erfahren.

Prominenz ist also vergänglich. Und dumm. Denn die wirklichen Alltagshelden werden nicht prominent. Sogar Tiere werden schneller prominent, als es ihnen lieb ist. Da rettet man aus selbstherrlichen Motiven aus Versehen eine Familie vor einem Hausbrand – man bellt ja eigentlich, um selber ins Freie zu kommen – und schon ist man der Held der Boulevardzeitungen. Als Hund. Das funktioniert auch als Kaninchen aber darauf möchte ich nicht näher eingehen denn Fakt ist: Der Altenpfleger, die Ärztin, die täglich 5-6 Überstunden schiebt und der Straßenkehrer der sogar schon um 3 Nachts aufsteht – der wird nie prominent.

Außer er fegt dabei einen Kaugummi von Paris Hilton auf und versteigert ihn bei Ebay. Oder er hat einen dieser „originell lustigen“ Jesus-Toaster und ist schlau genug, jede Scheibe einzeln zu vermarkten.

Prominenz und Ansehen, ja. Temporär. Prominenz und Ruhm? Nein. Prominenz und Nutzen?
Prominenz ist wenn man trotzdem lacht.