2010 Wir haben kein größeres Problem als Westerwelle

Samael Falkner / erschienen auf „HAWK“

Wir haben kein größeres Problem als Westerwelle

Nachrichten gehen mit Ablenkung Hand in Hand. Wenn man über ein Thema entweder überinformiert oder regelrecht medial aufgehetzt wird, kann man eigentlich davon ausgehen, dass damit ein anderes Thema überspielt wird.

In den letzten Tagen und Wochen sind vor allem zwei Dinge offenbar elementar wichtig geworden in den deutschen Nachrichten: Westerwelle und Erdbeben.

Guido Westerwelle muss derzeit eine ausgedehnte mediale Protestwelle gegen seine Person,seine Äußerungen hinnehmen. Aber seien wir mal ehrlich: Alles würde besser laufen, wenn wir die Politiker einfach mal ihre Arbeit machen lassen würden, statt sie stundenlang zu Rechtfertigungen vor Kameras zu zerren.

Und zu den Erdbeben. Laut BGR und GFZ finden im Jahr ca. 1400 Erdbeben über 5,0 statt. Starke Beben der Magnitude 6 finden sogar alle 3 Tage statt – nur eben selten in dicht besiedeltem Gebiet. Die Erdbeben häufen sich also keinesfalls und um die Betroffenen geht es doch in den Medien eigentlich nie wirklich, damit lässt sich nur wertvolle Sendezeit füllen.

Was dabei zum Beispiel verdrängt wird ist die Finanzkrise um Griechenland. Da rotten sich die ersten Finanzhaie zur Frontalattacke auf die europäische Währung zusammen und keiner will etwas davon wissen.

Diese Art von Aufmerksamkeitsmanipulation ist natürlich nicht neu, sondern so alt wie die Menschheit selbst. Schon immer konnte man ein Thema weit genug aufpushen, dass es ein anderes wichtigeres Thema verdrängte und so lange in Vergessenheit geraten ließ, bis es sich gelegt hatte oder der Schaden angerichtet war. Das hat auch im Nationalsozialismus wunderbar funktioniert.

Das liegt auch ein wenig in der „Natur“ der Presse, würde man alle Themen gleichberechtigt nebenher dümpeln lassen, wäre das Interesse schnell verloschen. Pusht man ein Thema zur Supernachricht auf, lassen sich damit jedoch Gesprächsrunden, Sondersendungen und neuerliche Nachrichten füllen. Und hat man das Interesse erst einmal gewonnen, geht es auch für lange, lange Zeit solange man das Thema am Leben hält, nicht verloren.

Und da kann eine Währung im Hintergrund schon mal den Bach runter gehen, wenn 600
Bundeswehrärzte fehlen, dann ist das auf jeden Fall wichtiger.