2012 Der Stammtisch ist eröffnet.

Samael Falkner / erschienen auf „HAWK“

Der Stammtisch ist eröffnet.

Das Internet bietet jedem die Möglichkeit, seine Meinung kundzutun. Das ist eine wichtige und sehr junge Entwicklung in Sachen Meinungsfreiheit und hier ist es auch, dass sich Zensur liebende Länder wie China hervor tun, in dem sie beschneiden, wo es nur geht. Meinungsfreiheit und die Möglichkeit, sich unkompliziert äußern zu können sind wichtig. Das ist die eine Seite.

Der Umkehrschluss jedoch: Jeder, wirklich jeder, kann im Netz seine Meinung äußern. Sei sie logisch durchdacht, aggressionsgetrieben oder sozial nicht tragbar. Von politischen Spinnereien, die leicht zu politischen realen Problemen werden können, bis hin zu groben Stammtischaussagen ist alles vertreten.

Das Internet wächst so rapide, breitet sich so rasend über den Globus aus und erreicht immer mehr Menschen, da verdoppeln sich auch die Meinungsäußerungen praktisch wöchentlich. Über 11 Millionen
Blogs sind allein bei dem großen Anbieter WordPress registriert, das sind – für diesen einen Anbieter 11 Millionen Wege, seine Meinung auszuformulieren. Unzensiert und außerhalb jeglicher Kontrolle denn Blogging bietet viele Optionen. Als ab 16 der 18 markiert darf gebloggt werden, was beliebt, darunter kann von Nutzern gemeldet werden – aber ob im Streitfall etwas geschieht, das weiß nur der Blogging-Gott allein.

Gerade rassistisch und gewaltmotivierte Beiträge lassen oft vergessen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist, diese Zeiten sind vorbei. Das Internetrecht und -strafrecht weiß theoretisch sehr gut, was erlaubt ist und was nicht – der Nutzer nicht immer.

So gibt es Nutzer, die behaupten „Schwarze sind keine Menschen“. „Nationale Foren“ der NPD , die hinter dem Deckmantel der Sicherheit Seiten betreiben, die unter anderem ausschließlich „Ausländerkriminalität“ auflisten, Foren für Kinderpornografiesammler, Snuff und Gewaltvideos und so weiter und so fort.

Illegal ist das Betreiben dieser Seiten erst ab einem gewissen Punkt, es muss eine Straftat vorliegen, die man mit der Seite verbinden kann. Es ist jedoch weder verboten, Kinderpornografie zu diskutieren (ohne Video-und Bildmaterial), noch kann man es der NPD untersagen, Schlagzeilen zu sammeln von Verbrechen, die von Migranten verübt worden. Einseitige Darstellung ist kein Straftatbestand.

Dem Stammtischgerede an sich schaufeln unter anderem die größeren Nachrichtenportale Handwerkszeug zu. Die Kommentarfunktion wird schneller zum grenzenlosen Schimpfen und Pöbeln missbraucht, als es den Machern recht ist. Nur wenige Magazine haben reagiert und die Funktion entfernt, einige sind zum moderierten Kommentieren übergegangen aber der Großteil des Nachrichtenraumes steht für alle zum Diskutieren offen. So entsteht der gleiche Effekt, wie er früher nur in der Eckkneipe aufkommen konnte: Jeder hat dazu was zu sagen und jeder glaubt, er hat Recht. Nur hat man früher dabei wütend die Zeitung auf den Tisch geworfen, heute braucht es nur einen Klick – und anonym bleiben kann man auch.

Der Stammtisch 2.0 findet täglich 00.01 bis 23.59 statt, dazwischen bitte den PC neu starten für einen reibungslosen Ablauf der Meinungsäußerung.