09.06.2010 Christian Scheinhardt : Manchmal bin ich so gerührt, dass es mich schüttelt

09.06.2010 Christian Scheinhardt : Manchmal bin ich so gerührt, dass es mich schüttelt
Samael Falkner / Erschienen auf Litheart.de

„Sprache ist die Kunst, Inhalte zu verpacken, Hüllen zu Füllen, Schatten zu erhellen, Licht zu konturieren. Es ist die Kunst, was nicht auszudrücken ist, wenigstens zu beschreiben. Wenn man Sprache beherrscht, ist es auch die Kunst, zu schweigen. Wer glaubt, Sprache wäre nur Reden, wird von ihr beherrscht.“
sagt Christian Scheinhardt und er muss es wissen, denn er ist der offizielle Wortakrobat der Leipziger Twitter-Timelines. Wir wollen uns einige Beiträge lang mit ihm und seiner Arbeit befassen.

1966 in Magdeburg geboren hat er schon immer geschrieben. Für sich, für andere oder einfach nur so. Er geht sogar so weit, sich selbst als „Wordaholic“ zu beschreiben und vielleicht passt der Begriff auch am besten, eigentlich vergeht kein Tag, an dem er nicht schreibt.

Die Twitter-Community kennt Christian Scheinhardt als „gecko6366“ und diesen als Wortjongleur abseits der übliche Phrasen. Eigentlich sind es „nur“ Wortspielchen aber keine von der Art, die man glaubt, schon mal iiiirgendwo gelesen zu haben – und nicht wenige Follower dürften sich fragen, wo er das alles Tag für Tag her nimmt. (Auch ich frage mich dies und deswegen werden wir diese Frage auch im sehr bald folgenden Interview stellen.)

Wir haben für euch eine kleine, wirklich winzige, Auswahl der tausenden Tweets getroffen, um mal einen kleinen Einblick zu geben, wovon wir sprechen:

2009-11-12 15:21:23
gecko6366: sie arbeitete in der fleischverarbeitung und schmückte sich bis
zum abend immer mit einer ununterbrochenen kühlkette…

2009-10-30 13:20:23
gecko6366: alte fettflecken werden wieder wie neu,wenn man ab und zu etwas
butter drauf streicht

2009-11-18 15:30:43
gecko6366: wenn zwischen den zeilen die wahrheit steht, was findet sich
zwischen schlagzeilen? seitenhiebe?

2009-11-17 07:57:00
gecko6366: viel altes wissen ging verloren; viel neues lohnt nicht,
gefunden zu werden…

2009-12-26 15:13:22
gecko6366: Zur Normalität zurück. Vorausgesetzt, wir erkennen, was das
ist. Und dann zurück, falls wir jemals da gewesen sind.

2009-12-22 20:57:54
gecko6366: Wenn 2 sich 1 sind & nicht 8 geben, kriegen sie es in 5min hin,
dass sie in 9 Monaten 3 sind. RL ist erschreckend!

2009-12-20 10:58:54
gecko6366: Bei diesen Temperaturen kommt es selbst im Wald nicht zu
spontanen Rehaktionen.

Aus, genug, wir könnten ewig so weiter machen. Bei über elftausend Tweets! Aber das ist gar nicht nötig, Christian hat alle seine Tweets nämlich gesammelt, in „kleinen, handlichen“ Twitteressenzen, die sich alle samt hier nachzulesen finden.

Das ist übrigens sein Blog. Der hat keinen kreativen, auffälligen Namen, wie viele andere Blogs sondern heißt so wie sein Verfasser – Ch.Scheinhardt. Das ist nicht neu, sondern egal denn auf den Inhalt kommt es schließlich an. Dort schreibt er Lyrik und kurze Texte, spricht diese sogar für die Leser ein. Das ist dann ein ganz anderer Stil, meist irgendwie nachdenklich oder zumindest zum Nachdenken anregend, gelesen oder gehört.

Die Suche ist nur Flucht.
Wer Mut hat bleibt,
Um gefunden zu werden.
Der Kreis, um den du dich drehst,
Beschreibt den Horizont deiner Möglichkeiten.
Kannst du deine Arme weiter ausbreiten,
Als deine Fingerspitzen reichen?
(Fluchtgedanken)

In Teil 2 der Artikelreihe über Christian Scheinhardt wird es unter anderem um sein erstes Buch gehen, bleibt gespannt.