13.04.2010 Interview Martin Neuhof

Interview Martin Neuhof 13.04.2010
Samael Falkner / Erschienen auf Litheart.de

Wir gratulieren uns und euch zur Eröffnung der neuen Plattform LIT:HEA:RT an dieser Stelle und mit beiden Wurzeln im Netz steckend. Hoffen wir auf viele interessierte Leser und ambitionierte Künstler, spannende Neuentdeckungen und erstaunliche Wiederkehrer. Wir machen das für euch – also macht mit! Eröffnen möchte ich mit einem Fotografen, den ich persönlich sehr schätze und mich freue, ihn vorstellen zu dürfen!

Martin Neuhof ist ein begnadeter junger Leipziger Fotograf und geschätzter Blogger. Seine Bilder wurden mit Preisen gewürdigt und bleiben im Gedächtnis – denn seine Fotografie hat eine eigene Seele, ganz individuell. Der Fotograf wurde 1984 in Leipzig geboren, lebt und arbeitet hier als Mediengestalter und interessiert sich für Fotografie seit er 14 Jahre alt ist. Einige Bilder möchten wir euch heute hier vorstellen und haben Martin auch zu seiner künstlerischen Arbeit befragt.

SF: In deiner Kurzbiografie erwähnst du, nun seit gerade einmal drei Jahren professionell zu fotografieren. In dieser Zeit hast du unter anderem 2009 den 1. Platz der Fotografie bei der Visionale belegt mit deiner Bilderreihe „Zerbrechlich“ als auch vor etwa einem Monat auf der Leipziger Buchmesse deine Bilder einem riesigen Publikum präsentiert. Und doch bist du – noch – nicht hauptberuflich auf Fotografie umgestiegen, gibt es dafür einen bestimmten Grund?

MN: Ich bin ausgebildeter Mediengestalter, kann also dir alles aus einer Hand erstellen. Egal ob Flyer, Fotos, Webseite oder Visitenkarte. Leider gab es noch kein Angebot was mich überzeugen konnte. Bisher ist die Fotografie noch mein größtes Hobby, was ich aber stetig probiere auszubauen. Da ich gerne einmal studieren würde, hab ich mich Anfang 2010 für ein HGB-Fotografie Studium beworben. Leider wurde ich abgelehnt, daher hab ich vielleicht noch ein wenig „Scheu“ vor dem nächsten selbstständigen Schritt in Richtung Fotografie.

MN: Ich mag es auch der guten Sache einen Dienst zu erweisen. Da ich selbst auch viel gestalte. Kommt z.B. ein Musiker auf mich zu, der total unbekannt ist, selbst kaum Geld hat, aber mich seine Musik überzeugt, kann es auch mal gut sein dass ich ein CD Cover für lau mache. Viele können diesen Gedanken gar nicht verstehen, aber meine Ideale stehen immer über den schnöden Mammon.

SF: Was hat dich vor Jahren dazu getrieben, mit dem Einfangen von Bildern zu beginnen, gab es ein Leitmotiv bei der Suche nach dem perfekten Foto?

MN: Ich hab mit 14 meine 1. Digitalkamera geschenkt bekommen, (damals noch mit 1,3 Megapixeln) und ab dem Moment hab ich mein Umfeld festgehalten. Meist nur Schnappschüsse & Partybilder. Trotzdem hab ich in der Zeit die Grundlagen für ein gutes Bild gelernt. Dann inspirieren mich eine Menge großartige Fotografen. Lara Jade ist eine Fotografin die mich wahrlich elektrisiert.

SF: Wenn man dein Portfolio durchsieht fällt auf: Du fotografierst sehr gern Menschen und das sozusagen hautnah und dicht dran. Ist es für dich einfacher, eine Person zu fotografieren, die sich der Aufnahmen bewusst ist und dich kennt oder zum Beispiel in einer Menschenmenge ein Individuum fotografisch „heraus zu picken“ und in Momentaufnahmen festzuhalten?

MN: Ja du hast recht, ich kenne fast alle meine „Models“ persönlich. Am Anfang eines Shootings, probier‘ ich ein Gespräch aufzubauen, was sehr tief und persönlich werden kann. Ich glaube das sieht man in meinen Fotos. Ich möchte die innere Seele des Motivs nach außen kehren. Daher mag ich auch keine Hochglanz Fotos. Unsere Welt ist kein Fashion-Magazin, sondern ein Ort voller Dreck und Seelenmüll, die immer mal wieder mit schönen Momenten angereichert werden. Mein heftigster Moment: Zu wissen die Frau hat vor 2 Wochen abgetrieben und genau dieser Moment wurde jetzt eben gezeigt, alles stimmt, die Location, der Ausdruck. Die Zeit, steht für einen kurzen Moment still. Menschen geben mir auch mehr, als eine Landschaft oder ein lebloses Objekt. Menschen kann man ärgern, verzaubern oder lieben. Das möchte ich in meinen Fotos zeigen, real machen.

SF: Würdest du grundsätzlich jedem, der von Zeit zu Zeit mal einen Schnappschuss mit der Kamera eingefangen hat, nahe legen, sich dem Thema professioneller zu widmen oder braucht es zum guten Fotografen deiner Meinung nach mehr als nur das glückliche Motiv?

MN: Wir werden überschwemmt mit Fotos, da heraus zu stechen ist eine Kunst für sich. Man brauch unendlich viel Geduld. Es ist nicht leicht Kritik zu bekommen. Man hat oft das Gefühl „Hey ich will jetzt meine Bilder zeigen“ und keinen interessiert es. Ausdauer und Beharrlichkeit sind 2 Eigenschaften die man mitbringen muss um sich selbst zu steigern. Schaut euch Flickr an, holt euch dort Inspiration, probiert Fotos nachzuahmen, spielt mit eurer Kamera. Die besten Ideen kommen mir meist eh spontan, also vor einem Shooting nicht planen sondern einfach vom Bauchgefühl leiten lassen.

Mehr über Martin Neuhof und seine Arbeiten und natürlich die oben gezeigten Bilder in voller Größe gibt es auf Martin-Neuhof.com und seinem gern gelesenen Top-Blog Farbwolke !