19.06.2010 Interview Oliver Daume von „Gedanken zu Filmen“

19.06.2010 Interview Oliver Daume von „Gedanken zu Filmen“

Samael Falkner / Erschienen auf Litheart.de

Vor einiger Zeit stellten wir euch die Seite „Gedanken zu Filmen“ vor, die sich tiefer gehend mit alten und neuen Filmen befasst. Heute wollen wir euch den Macher vorstellen. Dazu begrüßen wir nun Oliver im Interview. Viel Spass beim Lesen!

SF: Grüß dich Oliver, wir wissen ja in etwa so viel über dich wie über Atomphysik und unsere Leser wissen noch weniger. Wer bist du, wer steckt hinter „Gedanken zu Filmen“?

OD: Ich bin 29 und wohne seit zwei Jahren in Berlin. Ich bin Schweizer und habe in Zürich meine Schauspielausbildung gemacht. In meiner Freizeit lese ich ausgesprochen gern. Seit zwei Monaten lerne ich das Gitarrenspiel. Für mich als gänzlich unmusikalischer Mensch eine unheimliche Herausforderung. Das Lesen und Gitarrenspielen kommt jetzt aber leider während der WM ein wenig zu kurz. Und seit die Schweiz vergangenen Mittwoch Spanien geschlagen hat, kann ich eh an nichts anderes mehr denken.

SF: Wie und wann kam dir die Idee zur Seite?

OD: Die Idee zu dieser Seite kam mir ungefähr vor drei Monaten. Ich bin ein grosser Filmliebhaber und schreibe zudem sehr gerne. Da lag es für mich auf der Hand diese beiden Hobbies miteinander zu verknüpfen. Mir war es aber von Anfang an wichtig, dass es eine persönliche Seite wird. Seiten, die Filme rezensieren, gibt es schon genug. Ich wollte mich und meine ganz persönlichen Gedanken mit einbringen um sie mit anderen Menschen zu teilen. Aber ob meine Gedanken und meine Worte auch wirklich jemanden interessieren, weiss ich nicht. Es ist auf jeden Fall ein schönes Gefühl sich direkt nach dem Film hinzusetzen und seine Gedanken aufzuschreiben.

SF: Du hast dich ja bisher vor allem auffallend viel mit älteren Filmen beschäftigt, wieso nicht die neuen Kassenschlager rezensieren?

OD: Aktuelle Kassenschlager sind meiner Meinung nach meist von dürftiger Qualität. Ihr Hauptaugenmerk liegt hauptsächlich in der Erzielung von möglichst viel Profit. Ich greife da lieber auf Klassiker zurück, weil man von denen genau weiss, was man kriegt. Filme von Bergman oder Godard sind Meisterwerke und regen viel mehr zum Nachdenken an als beispielsweise ein Film wie „Die Mumie“. Ich lese auch lieber Klassiker von Dostojweski oder Tschechow als neue Bücher. Bei den alten weiss ich einfach, dass da unheimlich viel Wahrheit und Gehalt drin steckt.

SF: Nun gehen ja deine Artikel etwas tiefer, als bis zum Inhalt der Streifen. Setzt du dich wirklich nach den Filmabenden in eine ruhige Ecke und denkst darüber nach oder haben wir dieses Bild ungerechtfertigterweise klischeehaft im Hinterkopf?

OD: So ist es wirklich. Ich setz mich in mein dunkles Zimmer und schreibe. Direkt nach dem Film sind die Gedanken sehr frisch und wild. Diese dann direkt aufzuschreiben ist mir sehr wichtig. Ich überlege dann auch nicht stundenlang, sondern lasse meinen Gedanken freien Lauf. Meine Blogeinträge sollen so ungefiltert wie möglich sein.

SF: Was macht für dich einen guten Film aus?

OD: Fast am wichtigsten sind mir gute Dialoge. Ein gutes Drehbuch ist das A und O. Ich mag es, wenn die Figuren und deren Charaktere im Mittelpunkt stehen. In einem Film möchte ich möglichst viel über die Figuren und ihr Innenleben erfahren. Spezialeffekte oder eine ausgefallene Kameraführung sind mir nicht so wichtig.

SF: Die Massenware Film wird ja von Jahr zu Jahr stärker überproduziert – gab es in diesem Jahr bereits einen Film, der sich für dich von dem Rest abgehoben hätte?

OD: Das war eindeutig „Das weisse Band“ von Michael Haneke. Aber auch „A Single Man“ von Tom Ford hat mich angenehm überrascht.

SF: Als Filmfreund und -sammler muss ich einfach fragen: Wieviele Filme hast du daheim?

Da muss ich dich enttäuschen. Ich hab vielleicht nur ungefähr 20 Filme zu Hause. Ich bin da ganz unromantisch und leih mir die Filme aus.

SF: Hast du einen absoluten Lieblingsstreifen?

OD: Einen einzigen Film zu nennen ist sehr schwierig. Zu meinen absoluten Favoriten gehören aber „Rosemary´s Baby“ von Roman Polanski, „Mulholland Drive“ von David Lynch oder „Chungking Express“ von Wong Kar Wai. Sehr geprägt und nachdenklich gemacht hat mich zudem der Film „Le Mépris“ von Jean-Luc Godard.

SF: Möchtest du unseren Lesern sonst noch etwas mit auf den Weg geben?

OD: Ja, nämlich, dass ich mich über Diskussionen über meine Beiträge sehr freue. Diskutiert werden kann auf der Facebook-Fanseite „Gedanken zu Filmen“. Ansonsten wünsche ich allen viel Spass mit meinem Blog.

Vielen Dank für das Interview und Viel Erfolg auch weiterhin mit der Seite!