19.06.2010 “Nicht ohne die Skala”

19.06.2010 “Nicht ohne die Skala”

Samael Falkner / Erschienen auf Litheart.de

Es ist zum Jammern und Schreien und irgendwie auch nervös lachen. Selbst als Nicht-Leipziger versteht man das Dilemma der aktuellen Theatersituation im Leipziger Stadttheater recht einfach:

Das Theater besteht aus vier Spielstätten. Centraltheater – Haupthaus und große Bühne mit Hinterbühne. Hier spielt, wer im Stadtensemble angestellt ist. Skala – Kleinere Spielstätte, in der hauptsächlich frisch gebackene Schauspielabsolventen und junge Regisseure Arbeitsmöglichkeiten haben. Spinnwerk – Ganz junge Spielstätte für Jugendclubs, die sich für Inszenierungen zusammen finden. Weißes Haus – OpenAir-Spielstätte des Centraltheater. So viel zum Organisatorischen.

Jede der Spielstätten fährt dramaturgisch einen eigenen Kurs. Was bei den Jugendclubs erlaubt und frisch ist, wird im Haupthaus von den Kritikern der Intendanz zerrissen. Ein Sebastian Hartmann ist eben ein Sebastian Hartmann und kein Jugendclub – um die Kritikerargumente auf den Punkt zu bringen. Aber ob nun Martin Laberenz, Mareike Mikat, Sebastian Hartmann oder gar Armin Petras, alle werden sie von einem Mann misstrauisch beäugt: Seit einem Jahr im Amt – Kulturbürgermeister Michael Faber.

Nun hat Faber einen Plan gefasst. Nach den Kürzungen für das Centraltheater möchte er nun am liebsten die Skala schließen. Wo genau er dann in Zukunft die fähigen Regisseure und Jungschauspieler spielen lassen möchte, das wird er vermutlich nicht sagen können aber sobald etwas finanziell kurz vom Kurs abweicht, ist es für ihn keine lukrative Kunst mehr. Denn eins ist klar: Gerade beim Theater geht es ausschließlich ums Geld. Oder so.

Also soll die Skala geschlossen werden, ganz oder temporär. Dass das Nonsens ist hat unter anderem der Freundeskreis des Centraltheaters erkannt und die Petition „Nicht ohne die Skala“ ins Leben gerufen, die ab sofort zur Unterzeichnung ausliegt in den beiden Haupthäusern und der dringenden Unterstützung durch die Leipziger bedarf. Und sollte das alles nicht helfen, hat der ein oder andere auch noch weitere Aktionen, Demos und Eigenperformances im Hinterkopf denn: Bitte irgendwo sparen aber nicht noch mehr bei der Kultur und schon gar nicht beim (sagen wir mal) Nachwuchs, Herr Faber.

Hier die Petition einsehen, und in Centraltheater/Skala unterzeichnen.