27.06.2010 Interview Christian Scheinhardt

27.06.2010 Interview Christian Scheinhardt

Samael Falkner / Erschienen auf Litheart.de

Im Interview heute Christian Scheinhardt – Blogger, Autor des Buches „Schattenherz“ und beliebter Twitterer. Dieser Beitrag schließt an den Artikel „Manchmal bin ich so gerührt, dass es mich schüttelt“ an. Viel Spaß beim Lesen!

SF: Hallo Christian! Nett, dich heute im Interview begrüßen zu können. Beginnen wir doch chronologisch mit dem Ausfragen: Wie und wann bist du zum Schreiben gekommen?

Christian Scheinhardt: Ich hatte schon immer eine Faszination für Bücher. Schon bevor ich überhaupt lesen konnte, haben sie mich, damals aus Bildern bestehend, gefesselt. Bevor ich in die Schule kam, war ich neidisch auf die Kinder, die bereits lesen konnten. Später dann habe ich immer gelesen und oft geschrieben, mal mehr und mal weniger – bis ich irgendwann zum Wordaholic wurde. Zeitlich lässt sich das nicht wirklich einordnen. Und klar, es gab ja auch Bestätigung. Wenn alle sagen „Du kannst das“ dann machst du einfach immer weiter. Schreiben, beziehungsweise Worte an sich, ist mir einfach ein inneres Bedürfnis. Andere müssen tanzen, ich muss schreiben.

SF: Was hast du früher geschrieben, bevor du zu deinem jetzigen Stil und Veröffentlichungsfluss fandest?

C: Lyrik, Gedichte, alles was meine innere Ungeduld bediente, etwas schnell fertig zu bekommen. Texte müssen für mich einen wechselseitigen Dialog zwischen Autor und Leser ermöglichen, das sehe ich in Gedichten viel stärker. Klar, manchmal habe ich auch längere Sachen verfasst, mal ein Büchlein zum Verschenken, zum Geburtstag. Allerdings vergesse ich eigene Texte fast sofort, nachdem ich sie verfasst habe. Ein fremdes Gedicht kann ich nach Jahren noch eher rezitieren als eines, das ich selber vor zwei Tagen geschrieben habe.

SF: Du hast ja auch ein Buch geschrieben. „Schattenherz“ heißt es, es sucht derzeit noch einen Verlag. Hast du vor dieser Schreibarbeit bereits über Publikation nachgedacht?

C: Nein, den Drang dazu hatte ich nie. Ich habe elf Jahre lang im Einzelhandel gearbeitet und von Zeit zu Zeit geschrieben. Aus diesen Texten enstand schließlich die Idee zum Buch.

SF: Auf den Roman werden wir später noch einmal in einem gesonderten Artikel zu sprechen kommen aber: Hattest du immer nur dieses eine Buch geplant oder kannst du dir in Zukunft weitere Projekte wie dieses vorstellen?

C: „Schattenherz“ war einfach zuerst da. Ich habe mir gesagt „Das schreibst du zuende“, war ja auch eine Sache, die mich persönlich betraf. Danach hatte ich nichts geplant. Weitere Kurzgeschichten und Romane kann ich mir in Zukunft zwar vorstellen, dennoch war es für mich am wichtigsten, dieses zu beenden.

SF: Deine erste Lyriksammlung hast du ja auch bereits vor einer Weile online publiziert. Magst du dazu etwas erzählen?

C: Meine erste Lyriksammlung besteht ja unter anderem aus Texten, die schon vorher bereits in meinem Blog zu lesen waren. Sie trägt den Titel „Ein Dutzend Seiten Lyrik aus dem ersten Teil des Jahrtausends“ und genau das bekommt der Leser. Nur scheint es mit Ebooks allgemein noch ein Problem zu geben, denn bisher fand die Publikation wirklich wenig Anklang. Für drei Euro, die ich zu Beginn angesetzt hatte, liess sie sich gar nicht verkaufen, nun ist sie für zwei Euro erhältlich und ich frage mich ob der Preis gerechtfertigt ist beziehungsweise, wieviel die Leser bereit wären, in das Heft zu investieren. Zu erwerben ist die Sammlung auf dem Ebook-Marktplatz XinXii.com

SF: Warst du bisher bereits mit Lesungen dazu und zu deinem Buch unterwegs?

C: Nein, ich muss gestehen, dass ich bisher schreckliches Lampenfieber im Bezug auf Lesungen hatte. Es ist eine Sache, Texte online für Leser zugänglich zu machen und auch, sie einzulesen wie ich es bei einem Großteil meiner Texte tue. Aber vor einem Livepublikum lesen, das ist noch mal ganz was anderes!

SF: Würdest du denn mittlerweile gerne Lesungstermine wahrnehmen?

C: Unbedingt!

SF: Seit wann veröffentlichst du nun – in Blog- und Twitterform – schon regelmäßig online?

C: Ich habe meinen Blog letztes Jahr im Herbst gestartet. Früher hatte ich mich bereits einmal mit dem Medium beschäftigt aber es verlangte einem einfach zu viele Vorkenntnisse ab, da ging es dann eher um Form denn um Inhalt. Heute ist das alles einfach und schnell und ich merke auch: Wenn ich einen Tag lang nichts tue, reißt der Besucherstrom auf der Website sofort ab.

SF: Mal indiskret gefragt: Von wie vielen Besuchern sprechen wir da so derzeit?

C: Da ist von 50 bis 340 Besuchern am Tag alles dabei.

SF: Du bist ja mittlerweile auch ein bekannter und geschätzter Twitterer – wie kam es dazu?

C: Ich muss sagen, ich konnte mit Twitter lange Zeit nichts anfangen. Im letzten Jahr gab es erstmalig einen Twitter-Lyrik-Wettbewerb, bei dem versprochen wurde, alle Einsendungen würden in einem Buch veröffentlicht. Da wollte ich unbedingt dabei sein und meldete mich an. Nachdem ich meinen Beitrag eingereicht hatte, stellte ich jedoch fest, dass ich mit den Followern ect. irgendwie nichts anfangen konnte und meldete mich wieder ab. Irgendwann versuchte ich es noch einmal und stieß auf eine Liste mit Leipziger Twitterern und so fand ich mich dann doch irgendwie rein.

SF: Im Gegensatz zum Großteil der Twitternutzer tweetest du ja aber hauptsächlich Wortspielereien, wie im vorherigen Beitrag bereits angeführt.

C: Das ist richtig, Wortwitz liegt mir einfach im Blut und ich liebe ihn. Heinz Erhardt ist ein großes Vorbild von mir – er betrachtete Sprache ja auch zeitlebens als Kunstform.

SF: Und – Wie kommt man auf diese vielen täglichen Wortspielereien? Fallen die einem einfach so ein?

C: Naja, wie kommt man auf eine Idee? Ich kann da nur eine von vielen kleinen Anekdoten anbringen. Ich war mit einer Freundin auf einem Spaziergang und es wurde etwas kühl. Ich bemerkte, dass sie Gänsehaut an den Armen bekam und mir selbst war auch nicht gerade warm. Und da fiel mir folgender ein: „Auch wenn ein kühler Wind weht, es ist nicht nett, wenn man Gänse haut“.

SF: Schöne Geschichte – und ein schöner Abschluss fürs Interview! Im dritten Teil der Artikelreihe werden wir uns mit deinem Buch beschäftigen, bis dahin bedanke ich mich für das gemütliche und informative Gespräch und wünsche auch weiterhin Viel Erfolg!