31.08.2010 Interview Andreas Spechtl / Ja,Panik

31.08.2010 Interview Andreas Spechtl / Ja,Panik

Samael Falkner / Erschienen auf Litheart.de

Andreas Spechtl ist 26 Jahre jung und steht seit 2005 als Frontmann, Sänger und Texter der österreichischen Band „Ja, Panik“ auf der Bühne. Die Band füllt in Deutschland und Österreich bereits Hallen und Clubs mit ihren ausführlichen Lyrics zu ungebändigter Musik. Ihr aktuelles Album trägt den beschaulichen Namen „The Angst and the money“ – Grund genug mit dem Sänger persönlich ins Gespräch zu kommen.

Man muss es wohl so sagen: Eine Analyse aller Songtexte der letzten 3 Alben „Ja Panik“ „The taste and the money“ und „The angst and the money“ könnte bereits hunderte Seiten gelehrte Abhandlungen füllen. Ihre Texte setzen sich zusammen aus geschickt Zitiertem, herausgebrüllten Gedanken und gesellschaftskritischer Grundhaltung – diese Attitüde, gemischt mit immer wieder gebrochenem musikalischen Beiklang ergibt eine Mischung, die sicher durch den Clubabend bringt. Oder einen mutvoll aufspringen läßt – je nach Emotionslage.

Im Video zu „Alles hin, hin, hin“ haben sich die fünf Musiker sogar an ein 10minütiges einleitendes Essay gewagt, welches den inhaltlichen Rahmen des neusten Langspielers „The angst and the money“ beschreibt.

„Es ist nicht einfach, über Dinge zu sprechen, die sich einerseits ganz von selbst aus einem herausschälen, aber andererseits einen steten, aggressiven Geist verlangen der wach selektiert um sich nicht einlullen zu lassen von den allzu großen Gefühlen, hirnlose, Geborgenheit reproduzierend. Gefühle, mit denen sich nur die allerdümmsten wohlig einsauen und ins Off setzen. (…) So feiern wir die Angst als Möglichkeit zur Panik und bekämpfen sie in ihrer Form als radikalen Nivellierer jedweder Handlungen und Ideen. Es ist letzteres der Zustand des absoluten Stillstands, den sich heute schon fast keiner mehr Zeit zu nennen traut.“

Im Interview sprach Andreas Spechtl mit Samael Falkner über sein Verhältnis zur Musik, zur Band und über weitere musikalische Zukunftspläne.

SF: „Ja, Panik“ gibt es jetzt seit gut 5 Jahren, euer Label „Nein, Gelassenheit“ ist noch etwas jünger. Wie lange machst du persönlich nun schon Musik und wie bist du dazu gekommen?

AS: Ich spiele seit meinem 5. Lebensjahr Klavier, hab dann aber mit 10 oder so wieder aufgehört. Klavier spielen hat mich immer schrecklich genervt, erst seit 2 Jahren habe ich von selbst wieder angefangen mich damit zu beschäftigen. Mittlerweile ist es eigentlich mein liebstes Instrument geworden. Mit 15 hab ich mir dann eine Gitarre angeschafft. Seitdem spiele ich auch mit Stefan, unserem Bassisten, in einer Band. Daraus hat sich dann mit der Zeit Ja, Panik entwickelt.

SF: Ihr habt als österreichische Band in kleinem Rahmen angefangen, wie die meisten Erfolgsgeschichten, hast du dir einen einschlagenden Erfolg in Deutschland damals vorstellen können?

AS: Vorstellen…naja…Irgendwie natürlich nicht, andererseits hat man schon immer darauf hin gearbeitet. Sagen wir mal so, es war auf jeden Fall der Plan möglichst schnell aus Österreich rauszukommen, wäre uns das nicht gelungen hätten wir uns wohl einfach schon vor längerem aufgelöst. Wie, wann und ob das überhaupt passiert weiss man natürlich in keinem Moment, aber das ist ja auch egal, solang man in jedem Moment weiss was man eigentlich will. Und dazu gehört auch sich gegebenenfalls zu sagen, das was ich wollte hat so nicht funktioniert, also muss ich mir was anderes überlegen. Man muss Dinge auch zum richtigen Zeitpunkt beenden können.

SF: Solokarriere, ja oder nein und in welche Richtung, wenn irgendwann?

AS: Eigentlich nicht. Das kann ich mir momentan gar nicht vorstellen. Gerne Projekte mit anderen Leuten, wie zum Beispiel aktuell mit Christiane Rösinger. Deren Soloplatte kommt ja im Oktober raus, da habe ich an der Musik mitgeschrieben und auch im Studio vieles aufgenommen. Aber alleine, nein, nicht in absehbarer Zeit, ich brauch dann doch immer ein Gegenüber.

SF: Abgesehen von der Band: Wie verbringst du am liebsten deine Lebenszeit?

AS: Abgesehen von der Band ist gut…. Momentan gibts da nicht viel Zeit. Da ja das Nachtleben praktisch zu meinem Job geworden ist, verbringe ich eigentlich ansonsten viel Zeit zuhause. Kaffe trinken, lesen, viel spazieren gehen, Abends manchmal irgendwo einen Drink nehmen. Alles sehr beschaulich momentan.

SF: Wie würdest du für dich den Begriff „Kultur“ definieren?

AS: Ich würde nach wie vor sagen, dass Kultur, frei nach Adorno, ein permanenter Einspruch gegen die verhärteten Verhältnisse und festen Kategorien sein sollte. Dass die Kultur die man sich jedoch tagtäglich einverleibt, die einem angeboten wird, das genaue Gegenteil, die absolute Affirmation ist, brauche ich glaube ich nicht extra zu sagen. Am besten man verabschiedet sich einfach von derartigen Begriffen, die nicht mehr sind als versteinerte Versprechen aus einer fernen Zeit. Ich persönlich will Wörter wie „Kultur“ nicht mehr hören und nicht mehr sprechen müssen.

SF: Jungen Musikern, die vielleicht gerade vor den ersten paar größeren Auftritten stehen würdest du was mit auf den Weg geben?

AS: Lasst euch ja keinen Rat geben, hört immer weg wenns jemand tun will.